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Präsenz

Artikel von Gaston Saint-Pierre

© Gaston Saint-Pierre
Juni 2004

In deiner Präsenz gibt es keinen Anfang und kein Ende, nur eine entleerte Abwesenheit, ein Nirgends, an dem es keine Leere gibt, eine Verneinung der Formlosigkeit. Und dennoch sind Materie und Formlosigkeit, Raum und Raumlosigkeit, Zeit und Zeitlosigkeit darin enthalten. Der Verstand sagt: „In deiner Präsenz ...“ als ein Mittel, um sich die Intelligenz selber anzueignen, indem er sie absondert. Wenn es ein „dein“ gibt, kann es auch ein “mein“ geben. Wenn es Raum- und Zeitlosigkeit geben kann, dann - denkt der Verstand - kann dem Formlosen Form gegeben werden, als ob die Möglichkeiten des Verstandes zu einer Präsenz, die gedacht ist, Präsenz ersetzen könnte.

 

Erfahrung, erlerntes Wissen: nichts als Spuren, die sich in der Atemlosigkeit der Gegenwart verlieren, Gedächtnis, das an seiner vielfältigen Struktur festhält, um den Fortschritt von der Dunkelheit ins Licht sicher zu stellen, von der Ignoranz zum inneren Wissen, von der Abwesenheit zur Anwesenheit. Aber Metamorphose spottet all dieser Versuche, denn nichts kann erreicht werden. Es gibt kein von hier nach da, von dann bis jetzt, keine Kontinuität der Präsenz, denn Präsenz ist für immer und ewig präsent, ein Geschenk, das nicht gegeben werden kann.

 

Sei Freude, Aktion, Wahrheit, Schweigen, Ruhe ganz in der senkrechten Achse, so dass die Sphären ihre Seinsfülle enthüllen können. Sei licht und erkenne die flüchtige Qualität der Aspekte des Seins. Lebe mit der Zweideutigkeit der Erscheinungen und beziehe dich dennoch mit schwereloser Intensität auf die strukturlosen Gerüste der Schattierungen und Schatten, der Echos und der Harmonik in der mühelosen Zäsur zwischen präsent sein und Präsenz. Sei still in schwer fassbarem Schweigen und wisse, es gibt keinen Übergang und kein Ausweichen, nur Unmittelbarkeit.

 

Sei nicht der Körper, der vom Leben seine Erhaltung einfordert, sondern derjenige, der die Fülle des Lebens bestimmt. Sei nicht der Verstand, der die Vortrefflichkeit der Gedanken sucht, denn diese sind immer noch maskierte Materie, sondern derjenige, der in der Herausforderung des eigenen Endes jubiliert. Sei nicht die Emotion, die die Richtung gewährleistet, sondern derjenige, der keinen Umkreis und kein Zentrum kennt. Und - mit unendlicher Zärtlichkeit - lade sie alle zu dem festlichen Kraftmahl ein, bei dem die Messer, Gabeln und Löffel, die Finger, Zehen und Nebenhöhlen eine dimensionslose Agape erahnen lassen, die von der Präsenz zu ihrem eigenen Vergnügen ersonnen wurde.